Die größer angelegte Performance „Frankfurter Botschaft“ im September 2018 soll jetzt bereits ihre Schatten vorauswerfen. Dazu machen wir am Sonntag dem 27. Mai eine kleine Aktion in der Frankfurter Neuen Altstadt. Eine allgemeine Beschreibung der Frankfurter Botschaft findet sich hier. Die Beschreibung der Aktion am Sonntag folgt unten. Wir treffen uns am Sonntag, dem 27. Mai um 13 Uhr zur Einstimmung und ziehen dann spätestens um 14 Uhr los. Das Ganze dauert vielleicht ein gutes Stündchen. Der Ort ist die Gegend um den Römer bzw. die Neue Altstadt

Treffpunkt ist der Innenhof-Platz des Historischen Museums, dort wo die Skulpturen sind und das Periskop nach unten: https://goo.gl/maps/Niez7LQyDGq

Kleidung: Schick, was immer das genau für euch heißt.

„Der Frankfurter Botschafter besucht die Neue Altstadt“

Szenario

Der Frankfurter Botschafter besucht mit einem kleinen Gefolge die Neue Altstadt. Mit ihm zusammen gehen persönliche Berater, Honoratioren (und solche die es gerne wären), sowie Vertreter der Presse, die alle um ihn herum schwärmen wie Putzerfische um einen Blauwal. Es ist kein offensichtlich politisches Ereignis, doch man spürt eine fast geheim gehaltene politische Symbolik. Wer ist dieser „Frankfurter Botschafter“? Offensichtlich eine hochrangige Person, nicht anders als der Bundespräsident oder die Königin von England. So jedenfalls behandeln ihn die Leute um ihn herum, so sieht man es aus ihren Blicken und der Art wie sie sich in seiner Nähe bewegen, wie sie sich anstrengen, den Anschein zu vermeiden als wäre ihre Anwesenheit etwas anderes als ganz selbstverständlich.

Denn hier und heute gibt sich der Frankfurter Botschafter leutselig: Ein Staatsmann „zum Anfassen“. Menschenfreundlich. Er ist ein äußerst gewichtiger Repräsentant, doch wahre Größe muss sich nicht demonstrieren und so gibt er sich mit großer Betonung einfach und bürgernah, auf „Augenhöhe mit dem Mann und der Frau von der Straße“. Er sucht und findet den Kontakt zu den Bürgern. Niemand, nicht einmal einfache und schlichte Menschen, kann so einfach und schlicht sein wie dieser Mann.

Der besucht nun die Neue Altstadt, um „sich selbst“, wie er sagt, „aus erster Hand darüber zu informieren, wie die Neue Altstadt von den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern angenommen wird“. So heißt es, aber insgeheim spürt man, was nie ausgesprochen wird: Der Besuch selbst ist der Staatsakt, so sehr sich das Ganze auch als um Unauffälligkeit bemüht ausgibt.

Der Frankfurter Botschafter wechselt immer wieder einige Worte mit umstehenden Passanten, befragt sie zur Neuen Altstadt und wie sich das Leben für sie verändert hat. Doch er hält sich nie zu lange auf, er ist sich immer bewusst, dass aller Augen auf ihn gerichtet sind, ist sich immer bewusst, das jeder Augenblick von einer Fernsehkamera aufgefangen und in der Tagesschau ausgestrahlt werden könnte. Und so findet er nach wenigen Sekunden immer ein freundliches Wort, ein Lächeln und vielleicht einen Handdruck, um weiter zu ziehen.

Eine Reporterin kreist wie ein Satellit um ihn herum. Während der Frankfurter Botschafter einem majestätischen Segelschiff gleich vorüberzieht, von dem man freundlich herunter winkt, stellt sie ihre eigenen, ihre journalistischeren Fragen an die Passanten: „Wir sind ja hier, wie sie sehen, beim Besuch des Frankfurter Botschafters anlässlich der Wiedereröffnung der Frankfurter Altstadt. Haben Sie denn zum Beispiel einen persönlichen Bezug zur Neuen Altstadt?“ Sie braucht „O-Ton“ für den Beitrag in der Tagesschau oder im Deutschlandfunk. Wie zufällig, informiert sie dabei die Umstehenden darüber, dass es niemand anderes als der Frankfurter Botschafter ist, den man hier einmal persönlich und aus nächster Nähe sehen kann.

Auf einem kleineren Platz macht die Gruppe halt. Die Journalistin führt ein kurzes Interview mit dem Botschafter. Doch zuvor gibt sie ihm eine Gelegenheit zu einer Stellungnahme zur Neuen Altstadt. Er spricht ebenso ins Mikrophon an die zukünftigen Fernseh-Zuschauer wie an die Umstehenden. Letztere hören aufmerksam zu. Was er sagt klingt alles sehr staatsmännisch, und dennoch weiß man hinterher nicht, was er nun eigentlich gesagt hat.

Die Figur des Botschafters

Die Institution „Frankfurter Botschaft“ kann je nach theatraler Situation etwas ganz verschiedenes sein: Eine Behörde, welche diejenigen Kafkas in den Schatten stellt, eine NGO, ein Kongress, ein Honoratiorenball, eine faschistische Vereinigung, eine Gruppen­therapie, eine revolutionäre Bewegung. Entsprechend oszilliert auch der Charakter des Botschafters: Behördenleiter, Staatsmann, Diktator, Kümmer-Papa, Demagoge. Hier ist er ein jovialer, wenn auch etwas langweiliger, aber sehr wichtiger Staatsmann, der einer PR-trächtigen Verpflichtung nach kommt. Zwei schöne Beispiele wären zum Beispiel hier mit Steinmeier bzw. Gauck:

Anders als in diesen Videos hat die Neue Altstadt natürlich nichts für unseren hohen Besuch vorbereitet. Aber das spielt keine Rolle: Um so unverfälschter kann sich der Frankfurter Botschafter ein Bild machen. Und ohnedies ist er wesentlich bedeutender als diese zwo Bundespräsidenten da, die ein Spektakel nötig haben, um ihr weniges Bisschen Wichtigkeit zu unterstreichen.

Zur künstlerischen Form

Die künstlerische Form des Ganzen ist eine performative Intervention. Vereinfacht ausgedrückt, geht es bei performativen Interventionen darum, die Kunst in das alltägliche Leben hinein zu bringen, als subversives Moment. Es ist also kein normales „Theater im öffentlichen Raum“; denn dabei käme es darauf an, das Geschehen groß und übergroß anzulegen, um die Zu­schauer zu erreichen; aber dabei und dadurch würde zugleich die Grenze zwischen der künstlerischen Aktion und der Normalität deutlich markiert und das Ganze wäre etwa so subtil wie ein militärischer Einmarsch. Bei unserer Aktion kommt es im Gegenteil auf Subtilität an; wir wollen Fragezeichen in den Gesichtern sehen und ein wenig Irritation und Konfusion hervorrufen.

Freilich geht es auch nicht darum, irgendjemanden vorzuführen. Wir werden nie behaupten, dass es etwas anderes ist als eine Performance und dies auch jederzeit zugeben. Doch in unserem Verhalten, in dem, was wir wortlos kommunizieren behandeln wir das alles als eine völlig selbstverständliche und völlig ernsthafte Angelegenheit. Wir erklären zwar jedem, dass es „bloß“ eine Performance ist. Aber wir strahlen aus, dass es den Frankfurter Botschafter wirklich gibt und dass dieser Besuch wirklich wichtig ist.